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Eine intakte Darmflora ist für das Wohlbefinden entscheidend
iStockphoto/ Aaron Amat
Symbolbild

Die richtige Mischung an Darmbakterien beeinflusst unser Wohlbefinden. Was der Darmflora gut tut und was ihr schadet.

In unserem Darm leben Billionen verschiedener Bakterien, die sogenannte Darmflora. Diese Mikroorganismen spielen eine wichtige Rolle für unsere Gesundheit. Sie helfen unter anderem bei der Verdauung, indem sie Ballaststoffe verwerten, fördern die Aufnahme von lebenswichtigen Nährstoffen ins Blut und sind Teil des Immunsystems.

Komplexes System

Der häufig verwendete Begriff Mikrobiom bezeichnet die Gesamtheit aller mikrobischen Mitbewohner inklusiver ihrer Funktionen. Sie bilden eines der komplexesten Ökosysteme in der Wissenschaft. Wie ein gesundes Mikrobiom auszusehen hat, ist jedoch noch unklar. Ebenso sind die Funktionen der einzelnen Bakterienarten und Bakterienstämme zu einem großen Teil unbekannt. Fest steht, dass jeder Mensch sein eigenes, individuell zusammengesetztes Mikrobiom besitzt, das von Genetik, Umwelt und Lebensstil beeinflusst wird.  Bekannt ist, dass sich Veränderungen in diesem empfindlichen System auf den Stoffwechsel, das Immunsystems oder auch auf unser Verhalten auswirken können.

Man geht davon aus, dass verschiedene Krankheiten wie chronische Darmentzündungen, Typ-2-Diabetes oder Autismus eine veränderte Darmflora hervorrufen. Umgekehrt kann das Mikrobiom durch geänderte Lebensweise so gestört werden, dass Krankheiten entstehen können.

Abwehr im Darm

Die Bakterien in unserem Darm trainieren auch unsere Abwehrkräfte. Denn das darmeigene Immunsystem setzt sich ständig mit Erregern auseinander und lernt dabei, zwischen „guten“ und „bösen“ Keimen zu unterscheiden. Werden Eindringlinge erkannt, informieren die Darmbakterien das Immunsystem mithilfe von Signal-Botenstoffen. Das Immunsystem kann so schnell auf krankmachende Erreger reagieren und und erkennt auch, welche Mikroben ungefährlich sind.

Verändert sich das Mikrobiom, kann ein Ungleichgewicht entstehen. Eventuell könnte das auch eine Rolle spielen, wenn das Immunsystem auf eigentlich harmlose Stoffe reagiert. Heuschnupfen, allergisches Asthma, Lebensmittelallergien oder Neurodermitis könnten deshalb auch mit der Darmflora zusammenhängen.

Was der Darmflora schadet

Kommt die gesunde Balance der Darmbakterien durcheinander, dann werden die nützlichen Bakterien wie Bifidobakterien und Lactobacillen weniger und die ungünstigen Bakterien nehmen überhand. Folgende Faktoren beeinflussen die Darmflora:

Antibiotika sind wirksame und lebenswichtige Medikamente bei der Behandlung von bakteriellen Infektionen. Doch Antibiotika können nicht zwischen krankmachenden Bakterien und nützlichen Darmbakterien unterscheiden. Deshalb werden durch Antibiotika auch gesunde Darmbakterien minimiert. Die eher ungünstigen oder krankmachenden Darmbewohner können sich ausbreiten und der Darmschleimhaut schaden. Ein Durchfall nach Antibiotika-Gabe ist ein typisches Zeichen dafür, dass die Darmflora durcheinander geraten ist.
Die Ernährungsweise beeinflusst unsere Darmflora, zum Beispiel sind zu wenig Ballaststoffe, Weißmehlprodukte, viel Fleisch und Wurst sowie Zucker und Alkohol ungünstig. Auch Fertigprodukte mit künstlichen Zusatzstoffen wie Emulgatoren und Konservierungsstoffen wirken sich offenbar negativ aus. Dagegen ist eine vielfältige Pflanzenkost gut für die Bakterienvielfalt im Darm und damit für die Gesundheit.
Bei Dauerstress werden günstige Darmbakterien weniger, ungünstige Keime breiten sich aus. Andererseits beeinflusst die Zusammensetzung der Darmbakterien wahrscheinlich auch, wie gut wir mit Stress umgehen können. Sogar unsere Stimmung wird aus dem Bauch heraus mitbestimmt. Über den Mechanismus, wie Darmbakterien die Hirnchemie beeinflussen, wird spekuliert. Dabei spielt der Vagusnerv, zwischen Darm und Gehirn, die sogenannte Darm-Hirn-Achse, eine entscheidende Rolle.

Die Darmflora regulieren

Als Probiotika werden Lebensmittel bezeichnet, die lebende Mikroorganismen enthalten, die natürlicherweise im Darm vorkommen. Sie siedeln sich zu den bereits ansässigen Darmbakterien an und verdrängen damit unerwünschte Keime. Dazu zählen Milchsäurebakterien, die unter anderem in Joghurt, Kefir, Sauerkraut, Apfelessig oder sauer eingelegtem Gemüse wie saure Gurken und Käse enthalten sind. Bekannte Vertreter sind Enterokokken, Bifidobakterien und Lactobazillen. Hefekulturen (Saccharomyces boulardii und Saccharomyces cevisiae) haben ebenfalls probiotische Effekte.

Überflüssige Pfunde abzubauen, kann die Darmflora günstig beeinflussen, wie eine Studie mit Diabetikern zeigt. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag „Nach Diät mehr gesunde Bakterien im Darm“.

Probiotika zum Einnehmen

Probiotika gibt es in Form von Kapseln oder Pulver aus der Apotheke. Während einer Antibiotika-Therapie ist der Einsatz von Probiotika sehr zu empfehlen, um den typischen, durch Antibiotika verursachten Durchfällen, entgegenzuwirken. Hier kommen auch bestimmte Hefekulturen wie Saccharomyces boulardii zum Einsatz. In Ihrer Apotheke beraten wir Sie gerne zur Anwendung.

Futter für die Darmbakterien

Damit sich die guten Darmbakterien wohl fühlen, brauchen sie das richtige Futter. Zu ihren Lieblingsspeisen zählen Ballaststoffe, die vorwiegend in pflanzlichen Nahrungsmitteln vorkommen. Besonders gute Quellen sind:

  • Obst: Äpfel, Birnen, Beeren, Zitrusfrüchte
  • Gemüse: Brokkoli, Karotten, Kohl
  • Hülsenfrüchte: Erbsen, Bohnen, Linsen
  • Nüsse und Samen: Flohsamenschalen, Leinsamen und Chiasamen
  • Getreide: Vollkornprodukte

Wer bislang nur wenige Ballaststoffe aufgenommen hat, sollte die Zufuhr langsam steigern und ausreichend trinken. Sonst können die Pflanzenfasern zu Blähungen führen.

Präbiotika und Probiotika

Präbiotika sind Ballaststoffe aus pflanzlichen Lebensmitteln wie Obst, Gemüse, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten. Sie dienen gesunden Darmbakterien als Nahrung. Probiotika sind Zubereitungen aus lebenden Mikroorganismen, die als Präparate eingenommen, die Darmflora günstig beeinflussen.

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